Raumluftmessgeräte – Marktüberblick und Arbeitsweise

 

Raumluftmessgeräte – seit alle Welt von Corona spricht, erleben sie eine Renaissance. Denn nicht nur wer wissen möchte, wie gut oder schlecht die Luft in den eigenen vier Wänden oder im Büro ist, kommt um die Anschaffung eines solchen technischen Helfers nicht herum. Raumluftmessgeräte sind auch ein wichtiges Instrument zur Vorsorge gegen die Ansteckung durch COVID-19, denn sie messen den CO2-Gehalt im Raum. Und die Menge des menschlichen Kohlendioxids in der Luft ist ein wichtiger Hinweis auf die Höhe der Virenbelastung – wenn der Virus da ist.

Raumluftmessgeräte – der Markt ist groß

Raumluftmessgeräte gibt es in zahlreichen Ausführungen und damit auch Preisklassen. Aber was taugen die unterschiedlichen Luftgütesensoren? Und was oder wie messen die Geräte eigentlich?

Im Folgenden zeigen wir einen kleinen Überblick der am Markt verfügbaren Raumluftmessgeräte, was diese leisten und kosten. Doch davor gehen wir kurz auf den Sinn und Zweck solcher Partikelmesser ein.

Vor Corona ist nach Corona

Schon bevor der Coronavirus SARS-CoV-2 zu zweifelhafter Berühmtheit kam, legten wir Wert auf möglichst frische und schadstoffarme Raumluft. Im Meeting öffneten wir in jeder kleinen Pause instinktiv die Fenster wegen der „verbrauchten Luft“, die uns müde werden lässt. Zuhause galt schon immer die morgendliche 10-Minuten-Stoßlüften-Empfehlung zur Luftauffrischung und Schimmelvermeidung und die Nutzer von Kachel- oder Kaminöfen kennen die Gefahren des heimtückischen Kohlendioxids (CO2).

Raumluftmessgeräte dienen in erster Linie der Überwachung der Raumluft dort, wo wir uns längere Zeit aufhalten und wo die Gefahr einer Kontaminierung der Atemluft durch die unterschiedlichsten Schadstoffe hoch ist. Doch wie hängen die verbrauchte Luft, die Müdigkeit auslöst, die CO2-Belastung und das Coronavirus, das uns letztendlich das Leben kosten kann, zusammen? Mit einem Luftmessgerät wird die Umgebungsluft überwacht. Die Geräte zeigen uns, wann es Zeit wird, die Räume zu lüften. In diesen Zeiten ist eine solche Überwachung wichtiger denn je – zuhause, im Büro, in der Schule und in jedem anderen Raum, in dem sich Mensch und Tier aufhalten. Wir stellen daher verschiedene Raumluftmessgeräte vor.

700 ppm – der magische Wert für Raumluftmessgeräte

Unter einem gesunden Raumklima verstehen wir Luft mit einer CO2-Konzentration von deutlich unter 1.000 ppm. Das Kürzel ppm steht für parts per million – also Anteile des Stoffes in der Luft pro eine Million Gesamtanteile.

Kohlendioxid

Im Freien beträgt der Anteil von CO2 in der Luft ungefähr 400 ppm. Der Mensch atmet Luft mit rund 40.000 ppm CO2 aus. In Prozenten gesprochen sind das 4 Prozent der ausgeatmeten Luftteilchen. Beträgt der CO2-Anteil der Raumluft schon 4.400 ppm, dann heißt das, dass 10 Prozent der Luft, die Sie einatmen zuvor schon von jemand anderem eingeatmet wurde. In dicht besetzten Räumen, zum Beispiel in Schulklassen, ist dies unvermeidbar. Um das Infektionsrisiko mit COVID-19 zu verringern, sollten wir immer einen CO2-Anteil von unter 700 ppm anstreben – und trotzdem natürlich eine Maske tragen.

Grundsatz: Je mehr Personen sich in einem Raum aufhalten und atmen, desto eindeutiger lässt sich ein Ansteckungsrisiko durch virusbeladene Aerosol-Tröpfchen anhand des Indikators CO2 vorhersagen.

3 mal gutes Raumklima: CO2, Wohlfühltemperatur, Luftfeuchte

Im Zusammenhang mit Corona ist die Messung des Kohlendioxidgehalts der Luft sicherlich der wichtigste Messwert. Raumluftmessgeräte leisten aber noch mehr: Sie messen immer auch die Temperatur und die Luftfeuchte des Raums. Manche messen sogar noch mehr, zum Beispiel die Außentemperatur oder den Lärm im Raum.

Beides sind wichtige Merkmale für das Wohlfühlklima eines Raums und beides hat darüber hinaus auch Auswirkungen auf das Verhalten von Viren im Raum. Grob verkürzt gilt glücklicherweise, dass das, was gut für den Menschen ist, weniger gut für Corona-Viren ist. Grundsätzlich sollte man versuchen folgende Ziel-Werte für das Raumklima einzuhalten:

Corona-Viren fühlen sich in kühleren und vermutlich eher trockeneren Umgebungen wohler. Vor allem aber sind wir Menschen in trockeneren Umgebungen sehr viel anfälliger für Infektionen: Unsere Schleimhäute trocknen aus und das Virus hat es viel leichter durch die ausgetrockneten Schleimhäute sich ins Körperinnere vorzukämpfen.

Wenn wir also mit einem Raumluftmessgerät die Defizite unseres Raumklimas ermittelt haben, können wir uns daran machen, im nächsten Schritt das Raumklima zu verbessern: durch Lüften und vielleicht auch durch gezielte Befeuchtung der Raumluft.

Wichtige Features: Aufzeichnung der Messwerte und Steuerung per App

Auf einige Features sollten Sie bei einer Entscheidung für ein Raumluftmessgerät achten:

  • Interessieren Sie sich nur für den aktuellen Wert von Kohlendioxid, Raumlufttemperatur und -feuchte?
  • Oder wollen Sie wissen, wie sich diese Werte über mehrere Stunden und Tage entwickeln? Vielleicht in Abhängigkeit von Maßnahmen zur Förderung des Raumklimas, die Sie ergriffen haben?

Wir halten letzteres für wichtig und empfehlen Messgeräte mit Speicher- bzw. Aufzeichnungsfunktionen. Dann können Sie am Gerät, in einer App oder am PC ablesen, wie sich die Werte über einen beliebigen Zeitraum entwickelt haben. Fast alle Geräte verfügen über solche Datenspeicher. Allerdings unterscheiden sich die aufgezeichneten Zeitintervalle. Natürlich sind Steuerung und Analysefunktionen über eine App für Android oder iOS für die meisten von uns die komfortabelste Lösung. Aber das müssen Sie für sich selbst entscheiden.

Mit Raumluftmessgeräten gegen Corona?

Corona Virus

Das Corona Virus. Copyright Creative Wonder at stock.adobe.com

Regelmäßiges Lüften senkt also den CO2-Gehalt in der Raumluft, verbessert das Raumklima und reduziert auch die Gefahr, sich im Raum anzustecken. Es ist also wichtig, die Güte der Luft im Raum stetig zu überwachen. Das machen die Kandidaten in unserer Vergleichsübersicht allesamt gut bis zufriedenstellend. Was sich sehr deutlich abzeichnet: nicht allein der Preis garantiert auch einwandfreie und zuverlässige Werte.

Wie ermittelt ein Messgerät den CO2-Wert? Die meisten gängigen Raumluftmessgeräte erheben mittels Infrarotstrahlung den Gehalt an Kohlendioxid in der Luft. CO2 absorbiert Infrarotstrahlung auf eine bestimmte Art und Weise, die der Sensor im Gerät misst. Daneben gibt es solche Geräte mit elektrochemischen Sensoren, die deutliche Vorteile mitbringen, wenngleich sie bedeutend kostspieliger sind. Solche Kohlenmonoxid-Warnmelder haben eine deutlich längere Lebenszeit und sind weniger anfällig für Beeinträchtigungen durch Staub oder hohe Luftfeuchtigkeit.

Nun fragt man sich: Kann denn ein Raumluftmessgerät auch Coronaviren erkennen? Natürlich können die Geräte keinerlei Viren in den Aerosolen erkennen oder gar unterscheiden. Solche Messgeräte zeigen „lediglich“ die Konzentration an Kohlendioxid in der Luft an, sind damit aber ein hervorragender Indikator für die Raumluftqualität. Warum? Vor allem in schlecht belüfteten Räumen breiten sich Atemluft und damit Aerosole und damit das Coronavirus gut aus.

Wohin mit dem Raumluftmessgerät?

Wo stellt man sein Raumluftmessgerät nun idealerweise hin? Bitte nicht in die nächstbeste Zimmerecke. Am besten steht das Gerät in der Mitte des Raumes, etwa in Atemhöhe oder ein wenig höher. Man sollte das Gerät auch nicht zu nahe an Personen platzieren, da der direkt ausgestoßene Atem natürlich die Messung verfälschen könnte. Umgekehrt sollte das Raumluftmessgerät auch nicht direkt neben einer Klimaanlage oder einem Fenster stehen. Auch Plätze mit direkter Solarstrahlung können die Messwerte deutlich verfälschen. Verfügt der Raum hingegen über Abluftöffnungen kann man das Gerät durchaus dort platzieren, da die Abluft des Raumes ja dem Durchschnitt der Raumluftqualität entspricht.

Wenn Sie unsicher sind, dann experimentieren Sie doch einfach mal mit unterschiedlichen Platzierungen. Sie werden dann schnell ein Gespür für den idealen Platz entwickeln. Und wenn Sie schon dabei sind verschiedene Aufstellungsort auszuprobieren: Testen Sie doch auch mal verschiedene Räume – unabhängig von der Corona-Pandemie. Ein gesundes Klima und ein niedriger CO2-Wert im Unternehmen und Zuhause sind ja ein gutes Ziel auch unabhängig vom Virus.

Raumluftmessgeräte im Überblick: Das gibt der Markt her

Das Angebot an Raumluftmessgeräten ist seit Beginn der Corona-Pandemie enorm angewachsen. Das erschwert natürlich den Überblick. Regelmäßig testet beispielsweise die Stiftung Warentest Raumluftmessgeräte in den unterschiedlichsten Qualitäts- und Preisklassen.
Für unsere kompakte Übersicht haben wir eine ganze Reihe gängiger bzw. beliebter Geräte angeschaut und diese verglichen:

Der Netatmo Smarter Raumluftsensor liegt mit knapp 100 Euro im unteren Preissegment und ist damit für normale Haushalte gleichermaßen erschwinglich wie geeignet, denn mit einer Messskala von 0-5000 ppm deckt er das übliche Spektrum ab. Er ist für Arbeitsumgebungen von 0 bis +50 °C konzipiert. Er kann eigentlich alles, was man im privaten Umfeld benötigt. Kollege Michael kausch hat ihn ausführlich getestet und seine Erfahrungen in einem Blogbeitrag zusammengefasst.

Deutlich hochpreisiger ist da schon der Globalsat LS-111P von Cartft. Er kostet mehr als das Doppelte, misst aber auch bis zu 10.000 ppm und ist für Temperaturen von -10 bis +60 °C ausgelegt.

Nicht immer sind die Geräte wirklich miteinander vergleichbar. Einige der deutlich teureren Messgeräte sind eher für den technischen Einsatz in harten Arbeitsumgebungen gedacht, andere können neben den üblichen CO2-, Temperatur- und Feuchtigkeitsmessungen noch einige weitere Features vorweisen. Der Airthings Wave Plus zum Beispiel misst auch den Radon-Gehalt in der Luft. Ihn kann man auch mit Alexa, iOS und Android-Smartphones verbinden. Über Apps für iOS oder Android verfügen leider nur wenige Geräte. Alle hier aufgeführten Geräte können aber Messwerte speichern, so dass man Zeitreihen erfassen kann.

 

Quelle: Eigene Recherchen. Irrtum vorbehalten.

Fazit: Wer die Belastung durch Aerosole innerhalb der eigenen vier Wände oder im Büro im Blick haben möchte, wird auf dem Markt schnell fündig. Abhängig von Raumgröße, Mess-Spektrum und Geldbeutel ist für jeden Anwender das „richtige“ Gerät dabei. Ein intensiver Vergleich lohnt dabei immer.